Oberhalb des Wittfeldes, auf einer niedrigen, kaum zwanzig Meter über der Ebene sich erhebenden Basaltkuppe, welche nach dem Dorfe Wölf hin ziemlich steil abfällt, liegt Schloss Fürsteneck. Dasselbe bildet in seinem Ganzen ein unregelmäßiges, längliches Viereck und zeigt nur noch wenig Spuren des Altertums. Es hat eine Länge von ungefähr hundert Schritt, eine Breite von ungefähr fünfzig Schritt. Die Ostseite bildet das Schloss und einige Stallungen, die Nordseite: der Turm, ein Stück Umfassungsmauer und Stallungen, während die Westseite nur von Wirtschaftsgebäuden geschlossen wird. Der Haupteingang befindet sich auf der Südseite, zwischen dem Schloss und dem Wirtschaftsgebäude.

Fürsteneck, das seit dem Jahre 1330 in der Geschichte bekannt ist, war eine Burg der Abtei Fulda und es ist sehr wahrscheinlich, dass dasselbe im 13. Jahrhundert von dem Fuldaischen Abt Heinrich VI. erbaut worden ist. Mit dem Schloss war früher zugleich das Gericht Eiterfeld verbunden, welches deshalb Amt Fürsteneck genannt wurde. Die jeweiligen Lehnsinhaber müssen in ständiger Geldverlegenheit gewesen sein, denn es war bald diesem, bald jenem Ritter verpfändet.

Im Jahre 1330 war Bertholt von Wiesenfeld Amtmann daselbst, belehnt war es an Heinrich von Reckerod, 133 und 1334 die Herren von Buchenau, von Baumbach, von Treisfeld, von Weinsberg, 1342 von Buchenau, 1354 Schade von Leipolds und andere als Burgmänner bestellt. Der erste Pfandinhaber war Appel von Buchenau, 1358 wurde die Pfandschaft gelöst, bis 1414 sind keine Nachrichten vorhanden. Zu dieser Zeit war Otto von Buchenau Pfadinhaber, 1425 ging die Pfandschaft auch auf seinen Bruder über. 1440 wurde dieselbe an den Abt Conrad von Hersfeld gegeben, doch schon nach wenigen Jahren ging dieselben auf Sittich von Holzheim und Hans von der Tann über.

Die Holzheimische Hälfte ging 1446 an Conrad von Kolmetsch, dann auf Herrn von Merlan und 1449 an Helwig von Rückershausen über. Dessen Erben lösten 1485 die Pfandschaft ab und übergaben dieselbe amtlich an Hildebrandt von Steinau .Hans von der Tann unterstützte die Ritter Heinrich von Urf, Wigand, Holzadel und Hermann von Liederbach, auf ihren Raubzügen ins Hennberger Amt Kaltennordheim. Die Grafen von Henneberg griffen darauf Fürsteneck an, wurden aber zurückgeschlagen und rächten sich, indem sie fünf Dörfer, die dem Hans von der Tann gehörten, in Asche legten. Im Jahre 1470 verkauften die Erben des Hans von der Tann ihre Pfandschaft an Eberhard von Waltersheim, dessen Erben verkauften dieselbe 1485 an Hildebrandt von Steinau, welcher, wie vorhin erwähnt, die andere Hälfte bereits inne hatte. 1492 erhielt sein Schwiegersohn, Reinhard von Voineburg, die eine Hälfte für 800 Fl., während die andere Hälfte an die Söhne Hildebrandts, Balthaser und Kaspar, für die gleiche Summe abgegeben wurde. Es scheint demnach eine Art Zwangsverkauf stattgefunden zu haben. Beide Hälften wurden 1506 und 1509 von Asmus von Baumbach eingelöst, welcher 1518 noch im Besitz der Burg war. Nachdem im Jahre 1522 die Herren v. Buchenau Fürsteneck wieder eingelöst hatten, ist es scheinbar nicht wieder verpfändet worden, denn später werden nur noch Amtsleute dort genannt. 1533—1555 Hartmann v. Boineburg, 1560 Georg Schwärtzel, bis 1578 Carl von Dörnberg, 1579 Eustasius v. Schlitz gen. Von Görtz, 1585 bis 1608 Carl von Dörnberg. Die Herren von Buchenau haben Ende des 16. Und Anfang des 17. Jahrhunderts einen großen Teil ihrer Schlösser und Lehnsgüter verloren, wozu wahrscheinlich auch die Burg und ein Teil des Amtes Fürsteneck zählte. Verschiedene Dörfer des Amtes gehörten zu obiger Zeit noch ihnen. Das alte Schloss Fürsteneck ist, dem heute noch stehenden Turm nach zu urteilen, nicht verfallen, sondern hat wahrscheinlich in dem 30jährigen Kriege das Schicksal der Burg Landeck und vieler anderer Burgen dieser Gegend geteilt. Die Besitzung scheint wieder an die Abtei Fulda zurückgefallen zu sein. Das heutige Schloss nebst Wirtschaftsgebäuden ließ der Fuldaische Abt, Adalbert von Schleifras, im Jahre 1709 neu aufbauen. Über dem Eingang zum Schloss und an demjenigen des demselben gegenüberliegenden Wirtschaftsgebäuden befindet sich je ein Wappen des vorerwähnten Abtes mit folgender Inschrift: Adelbertus D. G. Abbas Fuldensis S. R. imperii Princeps D. Augustae Archieancellarius per Germaniam u. Galliam primas. MDCCIX. Das heißt: Adalbert, durch Gottes Gnade Abt zu Fulda, des Heiligen römischen Reiches Fürst, der erhabenen Kaiserin Erzkanzler, päpstlicher  Vikar für Germanien u. Gallien. 1709.

Außer dem von der eigentlichen alten Burg noch vorhandenen  Turm und ein Stück Umfassungsmauer scheint noch der südwestliche Teil des Wirtschaftsgebäudes alt zu sein. Das Gebäude weist eine ganz andere Bauart auf, als das 1709 angebaute Wirtschaftsgebäude, auch die in der Mauer desselben befindlichen Steinbogen gotischen Stils lassen vermuten, dass die Entstehung dieses Baues in die Zeit des ursprünglichen Burgbaues (12. Jahrhundert) fällt.

Einer sich im Volksmund bis heute noch behauptenden Erzählung nach soll Fürsteneck mit dem ungefähr fünf Kilometer nordöstlich gelegenen Schlosses Landeck durch einen unterirdischen Gang verbunden gewesen sein, der Eingang sei heute in ersterem noch zu sehen.

An der südwestlichen Seite des Schlosses sind zwar noch Spuren eines unterirdischen Eingangs vorhanden, welcher aber sicher einem ganz anderen Zwecke gedient hat. Es liegt sehr nahe, anzunehmen, dass dieser unterirdische Gang zu einem im Tale versteckt gelegenen Brunnen geführt hat, denn bekanntlich war in der Burg kein Brunnen vorhanden. Zwei Esel mussten früher das Wasser von Wölf nach dem Schlosse hinauf tragen. Jetzt befindet sich in dem Turm der Hochbehälter des Wölfer Wasserleitung, man scheint den alten Knaben doch noch für fest genug gehalten zu haben, dass man ihm eine solche Wassermenge einverleibte.

Bis in die 30er Jahre des vorigen Jahrhunderts war die Renterei Eiterfeld in dem Schloss untergebracht, das dazu gehörige Staatsgut war in einzelnen Teilen verpachtet. Das Schloss bildet heute mit den dazu gehörigen Ländereien, die einen Flächenraum von 608 Morgen umfassen, eine Königliche Preußische Domäne.

In einer Anmerkung der Geschichte des Schlosses wird gesagt, dass es eigentlich Firsteneck heißen müsse. Der Name sollte an etwa hohes erinnern und die Kuppe eines Bergrückens bedeuten. Ich möchte diese Deutung doch sehr bezweifeln, denn Fürsteneck ist absolut keine Kuppe eines Bergrückens, sondern eine vollständig frei liegende Anhöhe, die mit den sogenannten Ausläufern des Rhöngebirges nicht im Zusammenhang steht.

Im Amt Fürsteneck sind im Laufe der letzten drei Jahrhunderte 9 Dörfer und Höfe, in dem daran grenzenden Amt Rasdorf 24 Dörfer und Höfe zugrunde gegangen.