Leben der Bauern
Die Bauern standen in einem gewissen Abhängigkeitsverhältnis, wenn nicht direkt unter dem Stifte Hersfeld, so doch unter dessen Lehensträger, ganz vereinzelt das Hörige und Leibeigene, meist als Zinsbauern, Leihbauern oder Grundholden, deren Pachtländereien bei pünktlicher Zinszahlung später in eine Erbpacht übergingen, d. h. der Erbpächter erhielt ein gewisses Eigentumsrecht und ein Nutzungsrecht an denselben, die an Dritte veräußert werden konnten, war also befugt, die Grundstücke zu verlaufen, musste aber beim Verlauf dem Grundherrn eine festgesetzte Abgabe zahlen. Letzterer hatte bei der Veräußerung fast immer das Vorkaufsrecht. Verpfändungen und Teilungen konnten nur mit seiner Zustimmung vorgenommen werden,
auch konnte er bei schlechter Behandlung der Ländereien oder bei längerer schlechter Behandlung der Ländereien oder bei längerer Versäumnis der
Zinszahlung die Erbpacht aufheben. Da das Wirtschaftsleben des Mittelalters fast ganz auf Naturerzeugnisse gezahlt, in Roggen, Weizen, Hafer, Gerste, auch in Vieh und Geflügel, Eier, Butter, Käse usw. Diesen Erzeugnissen gegenüber waren die umlaufenden Geldsorten von geringere Bedeutung und wurden, soweit fremde, oft minderwertige Münze in Frage kam, schon deshalb von den Bauern abgelehnt, weil Form Gepräge ihnen vielfach unbekannt war und deshalb verdächtig schien.

Allgemeine Gültigkeit hatten dagegen die Münzender Abtei Hersfeld, von den Kaiserlichen Münzmeistern gestempelte Silberstücke, deren Ausprägung nach dem folgenden Münzfuß stattfand:
1 Pfund= 24 Loth Silber = 20 – 22 Solidi ( Schillinge ) 1 Schilling = 12 Denare. Im Jahre 1350 galten 30 Albus = 20 Schillinge.

Außer den Zehnten musste der Bauer seinem Lehnsherren weitere Abgaben, wie Hahnenfeld, Weinkaufsgeld, Trifthammel u.a. entrichten, zuweilen seine Jagdhunde und Falten füttern und die sogen. Frohndienste leisten; er baute ihm den Acker, leistete Vorspanndienste, baute Schlösser und Wege usw., sämtlich Arbeiten, welche unter Aussicht eines Beamten, des Meiers, geleistet zu werden pflegten; auch die Abgaben wurden von diesem Beamten eingezogen, der als Entgeld für seine Dienste ein freies Besitztum, die sogenannte Meierei, inne hatte.

Der ehemalige Meierhof Ehrenthal bei Oberlengsfeld
In den früheren Salbüchern zum alten Amt Landeck taucht die Hof-, Flur- und Lagebezeichnung Ehrenthal wiederholt auf, so z.B. 1559 in einer Grenzregelung zwischen dem fuldischen Amt Fürsteneck und dem hessischen Amt Landeck. Der Hof darf ohne Zweifel als einer der Meierhöfe für die nahe Burg bzw. das Schloss auf dem Landecker Bergsporn über Oberlengsfeld angesprochen werden. Meierhöfe hatten im Mittelalter die Aufgabe, die Bewohner eines Herrschaftssitzes mit dem täglichen Bedarf an Lebensmitteln zu versorgen. Da die Burg Landeck im 12. Jh. oder früher vom Abt des Klosters Hersfeld erbaut wurde, kann angenommen werden, dass um diese Zeit auch der Meierhof Ehrenthal südöstlich unterhalb des Burgberges in einem wasserreichen und fruchtbaren Gelände entstanden ist, obgleich der „Hof zu Ertail“ erst ab 1367 in den schriftlichen Quellen auftaucht.

Für die Folgezeit ist bezeugt, dass der Hof vom Abt in Hersfeld öfters verpfändet worden ist, u.a. an den Probst zu Kreuzberg (Philippsthal), den Herren von Romrod, von Mansbach und von Trümbach. Stets wurde er von einem oder zwei Bauern bewirtschaftet. Nach dem 30jährigen Krieg hat „Hans Rüger, Meyer zu Ehrenthal“ mit drei Söhnen und drei Töchtern den Hof bewohnt und die Ländereien bearbeitet. 1686 verkaufte die Landgrafschaft Hessen-Kassel die Meierei Ehrenthal mit allen Grundtücken an die Gemeinde Oberlengsfeld, die das Land unter ihren Bauern aufteilte. Die Gebäude des Hofes wurden jedoch weiterhin noch genutzt, für 1709 sind die beiden Schäfer Hans Henrich Deys und Johannes Schweng auf Hof Ehrenthal gemeldet. In den Hausstandslisten ab 1736 sind dort keine Bewohner mehr erwähnt.

Um 1850 kaufte Freiherr Carl von Uslar-Gleichen in der Ortsmitte von Oberlengsfeld den so genannten Wagnerschen Hof (heute Landecker Str. 79 u. 81) und die Ländereien des ehemaligen Meierhofes Ehrenthal (rund 83 ha). Die Familie von Uslar-Gleichen bewirtschaftete ihr Hofgut mit wechselndem Erfolg und gab es schließlich zur Jahrhundertwende (1900) auf. Eine Landgesellschaft erwarb den gesamten Besitz und verkaufte ihn anschließend aufgeteilt an die Oberlengsfelder bzw. Landecker Bauern.
Reste der Gebäudefundamente waren um die Mitte des 19. Jahrhunderts noch zu sehen, wie Konrad Schüler in seiner 1914 fertig gestellten Geschichte zum Amt Landeck beschrieb: Die Keller des Herrenhauses waren in den 1840er Jahren … noch vorhanden und bildeten einen Teich. Ein jetzt noch lebender Oberlengsfelder Einwohner hat als Junge in demselben gebadet.
In einer Katasterkarte von 1706 lassen sich nun Lage und Größe der Hofgebäude im Ehrenthal nachweisen. Die Hoffläche besteht aus einem unregelmäßigen Viereck, umfasst 3675 qm und beinhaltet mehrere Gebäude mit beachtlichen Ausmaßen. Angelegt war der Hof Ehrenthal auf einem leicht ansteigenden Südhang, die kleine Liede genannt, oberhalb des Talgrundes. Der heute durch das Ehrenthal führende untere Weg zur Bornwiese und zum Kreuzberg hat offensichtlich um 1706 noch nicht existiert, er wäre mitten durch den Hof gegangen.

Die Hofbewohner dürften über genügend frisches Wasser in unmittelbarer Nähe verfügt haben, denn oberhalb am Landecker Berg gab und gibt es heute noch Quellen. Ein früher noch sichtbarer Abflussgraben führte von der ehemaligen Hofstelle hinunter zum Wassergraben in der Ehrenthaler Wiese.

Fundstücke vom Hof Ehrenthal:
Links hochmittelalterliche Keramikscherben aus dem 14./15. Jh., rechts Hufeisen eines Kosakenpferdes aus dem 30jährigen Krieg.
Wie sehr das Ehrenthal und seine Vergangenheit immer noch in der Region beheimatet sind, mag ein kleines Gedicht belegen. Als in den Jahren vor dem 1. Weltkrieg die Quellen in der Bornwiese im hinteren Ehrenthal für die Wasserleitung nach Oberlengsfeld und Schenklengsfeld gefasst wurden, da schrieb der Landecker Heimatdichter Georg Höfer diese Zeilen:

Einst wohnten die Ritter im Ehrenthal,
die Stätten verfallen, sind leer und kahl,
jetzt in der Tiefe da steigt und fällt
das Wasser der Leitung von Schenklengsfeld.