Die Katten

Das Volk

Um die Mitte des 5. Jahrhunderts vor Christus sehen wir die Landschaft zwischen Werra, Diemel, Lahn und Main, Hessen im weiteren Sinne, bewohnt von keltischen Stämmen – deren Zusammenhang mit den bronzezeitlichen zwar von einigen vermutet, aber noch keineswegs sichergestellt ist – Zweige der großen soeben erwähnten indogermanischen Völkerfamilie, wie die Germanen, die sie später aus den deutschen Gauen verdrängen sollten, und Teile eines Volkes, das von Süddeutschland über den Main sich bis zur mittleren Weser ausgebreitet hatte und an das heute noch viele unserer hessischen Fluss- und Bergnamen erinnern, denn eine ganze Anzahl dieser Namen ist keltischen Ursprungs und von den Katten übernommenes Sprachgut.

Als aber um die Mitte des 4. Jahrhunderts, wie die neuere Forschung lehrt, der echt germanische Volksstamm der Katten, von Osten her über die Werra und die Pässe des Thüringer Waldes im heutigen Hessen einbrach, waren die Kelten schon nicht mehr im Stande, den überlegenen kriegerischen Germanenstämmen nachhaltigen Widerstand zu leisten. Sie räumten (bis auf einzelne Reste) das Land und wichen immer weiter nach Westen zurück. Zuletzt bis hinter den Rhein, wo sie uns in den alten Schriftstellern als Gallier wieder entgegen treten.

Südlich des Mains und im oberen Donaugebiet blieben Keltische Stämme jedoch noch länger sitzen.

Über die Herkunft unserer Vorfahren ist oft und lange gestritten worden ohne dass die Frage bis heute endgültig entschieden wäre. Im Innern von Hochasien ist die Urheimat der indogermanischen Stämme und damit auch die der Germanen zu suchen. So lautete früher ein Grundsatz der Wissenschaft, gegen den sich kaum ein Widerspruch erhob. Heute dagegen neigt man mehr zu der Ansicht, dass unsere Vorfahren in den Steppen Südrusslands zum Volke erwachsen, dann an die Gestade der Ostsee gezogen und nachdem sie hier eine Zeit gewohnt, von dort aus, dem allgemeinen Drange nach Westen folgend, in ihre heutigen Sitze eingewandert seien. Wir schließen uns der neueren Forschung an.

Der Name der Katten kommt zuerst bei Strabon (lateinisch Strabo‚ der Schielende, vor (um 68 bis 23 vor Christus), dann wieder von Bellejus genannt, während der um 50 vor Christus schreibende Caesar ihn noch nicht erwähnt, sondern die Katten mit der Bezeichnung der großen Völkermasse der Sueben (Stammesgruppe germanischer Völker) einschließt. Von ihrem Ungestüm gegen den Feind, dem „haz und häzen“ unserer althochdeutschen Sprache, dem „Hass“ im Sinne des ungestümen Angriffes, bei Mittelhochdeutschen Dichtern, wie Walther von der Vogelweide, soll unseren Vorfahren der Ehrenname Katten von den benachbarten Stämmen gegeben worden sein. Nach Grimm rührt ihr Name von einem eigentümlichen Kopfputz her. Ohne Zweifel ist unsere heutige Volksform „Hessen“ direkt aus dem alten Namen entstanden.

Das Land zwischen Werra, Main, Lahn und Diemel war in den ersten fünf Jahrhunderten unserer Zeitrechnung noch ein ungeheures Waldgebiet. 99 Prozent des bestellbaren Bodens wurde erst durch Rodungen gewonnen, die nach jener Zeit stattfanden und noch heute sind etwa 40 Prozent seiner Oberfläche bewaldet. Daher rührt auch die Erscheinung, dass das Volk der Hessen heute noch mit seinem Wald aufs innigste verwachsen ist. Es betrachtet ihn vielfach als Gemeingut und kann sich nicht mit den aktuellen Bestimmungen abfinden, die dem Eigentumsrecht strenge Grenzen gezogen hat. „Man möchte fast glauben“ sagt Dunker in seiner Geschichte der Katten, „in dem germanischen Manne lebe noch eine Ahnung davon, dass dieser Wald es war, der einst in den Anfängen deutscher Geschichte sein Volk frisch und lebendig hielt, der es entzog dem verweichlichenden und entnervenden Einfluss der römischen Kultur und durch den Schutz, den er in den Zeiten der Not gewährt, zur Rettung seiner Freiheit, auf das mächtigste beitrug.“

Der römische Geschichtsschreiber Tacitus (58 bis 120 nach Christus) entwirft folgendes Bild von unseren Vorfahren:
„Die Katten haben einen vorzüglich abgehärteten Körper, einen starken, gedrungenen Knochenbau, drohende Miene und lebhaften Geist. Sie zeigen gegen die anderen deutschen Stämme verhältnismäßig viel Verstand und Klugheit, wählen ihre Anführer mit Einsicht, unterwerfen sich dem Kommando, halten Reih und Glied, richten Tags ihren Kriegsplan ein und verschanzen sich in der Nacht. Sie erwarten vom Glück und Zufall wenig, von der Tapferkeit alles. Sie bauen mehr auf den Feldherrn als auf die Armee, usw.“

Die Stäke der Katten lag im Fußvolk, die Reiterei hatte eine Kampfweise, die der Kavallerie gleicht: wenn die Lage des Kampfes es nötig macht, stiegen die Reiter ab und kämpften zu Fuß, um dann, wenn der Zweck erreicht war, auf den Pferden so rasch wie möglich zu verschwinden. Als Waffen führten sie, wie alte Quellen belegen, den Schild, welcher aus Holz bestand und mir einem Fell überzogen war, sowie eine Lanze. Das Fußvolk bediente sich außerdem noch kleineren Wurflanzen, die der Krieger auf große Entfernungen zu schleudern verstand. Wie die Ausgrabungen lehren, haben ihnen aber noch weitere Waffen zur Verfügung gestanden, wie Axt, Schwert, Pfeil und Bogen, wenn auch nicht jeder alle diese Waffen besaß, denn das Eisen war damals noch sehr kostbar und schwer zu erlangen.

Mit dieser immerhin sehr dürftigen Ausrüstung, jedenfalls ohne weitere Schutzwaffen als den Holzschild, mussten die Katten, mit den eisengepanzerten Römern den Kampf aufnehmen. Es war deshalb leicht erklärlich, dass sie in offener Feldschlacht stets unterlagen. Wunderbar genug, dass sie trotzdem ihre Freiheit behaupten konnten bis sie sich die Kriegskunst und Bewaffnung ihrer Gegner selbst zu Eigen machten und so aus dem Besiegten zu Siegern wurden.

Die Kriegskunst, die Tacitus ihnen nachrühmt, war ihnen also nicht angeboren, sondern erst später erworben, deren Vorzüge sie in mancher verlorener Schlacht bei den Römern kennen gelernt und von diesen übernommen haben. Den gleichen Vorgang können wir Jahrhunderte später bei den Franken beobachten, als sie das kriegerische Erbe der letzten römischen Kaiser antraten und sich hier durch zu Herren des Reiches machten. Viehzucht, Jagd und Fischerei bildeten Jahrhunderte lang die Hauptbeschäftigung unserer Vorfahren, die schon längst das Leben als Nomaden abgelegt und zu festen Siedlungen übergegangen waren.
Daneben war aber auch der Ackerbau keineswegs unbekannt. Eine so genannte wilde Feldgraswirtschaft, bei der auf eine ein- oder mehrjährige Bestellung des Bodens wieder eine längere Nutzung desselben als Weideland folgte. Eine wenig dichte Bevölkerung und ausreichende Bodenfläche bildete die natürliche Voraussetzung einer solchen Wirtschaftsform. In enger Beziehung zum Lebensunterhalt stand natürlich die Wahl der Wohnsitze. Die Landbauern siedelten sich in den Tälern und an den Ufern der Flüsse an, während die Viehzucht treibenden Bauern in den höheren und rauer gelegenen Berggegenden ihre Hütten bauten.

Während man früher glaubte, dass unsere Vorfahren, wie alle Germanen, zuerst in einzelnen Höfen gehaust hätten, weiß man jetzt, dass die ältesten Ansiedlungen schon nach Art unserer Dörfer angelegt waren, für deren Lage uns die Ortsnamen einige Fingerzeige geben.

Dem höchsten Alter gehören die Namen an, die mit affa oder aha (abgekürzt a) (Wasser) mar, tar, loh und a zusammengesetzt sind. Aber auch die bis heute noch nicht erklärten Dorfnamen des alten Spottverses der niedersächsischen Nachbarn:

„Dissen, Deute, Haldorf, Ritte, Baune, Besse,
das sind der Hessen Dörfer alle sesse“

Gehören, wie die meisten Siedlungen der Gudensberger Gegend (Maden, Metze, Lohne, Vorschütz usw.) zu den ältesten des Landes.

Das früheste Zeugnis für den Spruch findet sich, soweit sich bisher ermitteln ließ, 1837 bei Franz Piderit in der Startnummer der ZHG (Zeitschrift des Vereins für hessische Geschichte und Landeskunde). Piderit zitiert den „alten Vers“ in der Form „Thuissen, Teute, Haldorf, Ritte, Bune, Besse, / Die sind der Hessen Dörfer alle sesse.“

Den Namenformen Thuissen und Teute nach zu urteilen, hat Piderit keine zeitgenössische, sondern eine erheblich ältere Quelle vorgelegen. Leider teilt er die Quelle nicht mit, genauso wenig wie Jacob Grimm, der den Spruch in seiner „Geschichte der deutschen Sprache“ (1848) wiedergibt, und zwar in der Form „Dissen Deute Haldorf Ritte Bune Besse, / das sind der Hessen dörfer alle sesse“.

Beide Autoren sind überzeugt davon, dass der Spruch sehr hohen Alters ist. Piderit vermutet in ihm den Rest eines sächsischen „Spottlieds“ aus der Zeit des frühmittelalterlichen

Vordringens der Sachsen nach Hessen. Grimm hingegen nimmt an, in dem Spruch werde,

nachdem sich die geschwächten Chatten auf einen begrenzten niederhessischen Bereich nördlich der Eder „gleichsam zurückgezogen“ hätten, „um neue Kraft zu sammeln“, „der enge Umfang des zuletzt aufrecht gebliebenen, aber echten Hessens angezeigt“.

Da aber das kinderreiche Germanien seine Nachkommenschaft infolge der ungünstigen Bodenverhältnisse nicht alle ernähren konnte, begann schon in sehr früher vorgeschichtlicher Zeit eine Auswanderung der kattischen Bevölkerung, die wir uns als eine Art von Ausstrahlung nach verschiedenen Seiten hin zu denken haben, die aber zumeist in westlicher und nordwestlicher Richtung erfolgt ist.

Wir stoßen deshalb schon um das Jahr 100 vor Christus am Unterlaufe des Rheins und der Maas auf Stämme, die stolz auf ihre kattische Abstammung sind. Die Bataver und die Ortsnamen wie Battenberg und Battenfeld sollen an die alten Sitze der ausgewanderten Stammesgenossen erinnern. Auch die Kattuarier an der Ruhr, wie die frühzeitig von den Römern abhängig gemachten Mattiaker im heutigen Taunus und in der Wetterau, waren Völker des großen Kattenstammes.

Noch größere Veränderungen warteten auf unsere Vorfahren, als die Römer am Rhein erschienen und unter Augustus Süddeutschland ins römische Reich eingeordnet wurde.

Die von den Römern angelegten Verteidigungswerke am Rhein und später auch am Main bildeten für Jahrhunderte ein unüberwindliches Hemmnis, das der weiteren Ausbreitung der Germanen nach Westen ein Ziel setzt, daneben aber auch die Wirkung gehabt hat, dass die Katten zur endgültigen Sesshaftigkeit übergehen mussten. Von Stunde an war der Römer der Erzfeind geworden, gegen den sich wieder und wieder kattische Waffen richteten. Doch war Rom keineswegs der einzige Feind, denn rundum saßen bis dicht an die kattischen Marken

Die blutsverwandten germanischen Stämme. Im Norden die Cherusker, mit und neben den Katten die Seele des germanischen Widerstandes gegen Rom im ersten Jahrhundert nach Christus. Im Westen, an Sieg, Lahn und Westerwald die Sigambrer, in der mittleren Maingegend an den Abhängen von Spessart und Rhön hausten die Marcomannen und nach ihnen die Hermanduren, welche zur Zeit der größten Ausdehnung ihrer Macht vom Harz über Thüringen und Frankenwald bis hin zur Donau herrschten.

Auch mit diesen blutsverwandten Völkern kam es infolge von Grenzschwierigkeiten zu blutigen Zusammenstößen, in denen jedoch die Katten im Großen und Ganzen ihre alten Sitze zu behaupten vermochten. Zwar haben römische Legionen mehr als einmal das Land durchzogen, einmal im Jahre 15 nach Christus unter dem Prinzen Germanikus, den Hauptort der Katten, „Mattium“ (Hauptort des westgermanischen Volksstammes der Katten, wahrscheinlich auf dem Gebiet des heutigen Schwalm-Eder-Kreises in Nordhessen) niedergebrannt, aber es ist ihnen nie gelungen, festen Fuß im Lande zu fassen, wie im benachbarten Westfalen, wo eine Reihe fester römischer Kastelle bis zur Weser hin einige Jahrzehnte hindurch germanische Freiheit unterjocht hat. Im alten Hessen, nördlich des alten Römerwalles ist bis zum heutigen Tag noch keine sichere Spur der Römer nachgewiesen worden. Dieses großartige Römerwerk – im Süden Teufelsmauer genannt – zog sich von der Donau bis zum Main bei Hanau und von hier, die Wetterau und die Stadt Grünberg einschließend, über die Höhen des Taunus zum Rhein bei Neuwied und hat vom Ende des 2. Jahrhunderts bis in die Mitte des dritten das immer morscher werdende römische Weltreich noch eine kurze Spanne Zeit vor dem Untergang bewahrt, bis auch dieser letzte Damm von den Katten und übrigen Germanen überflutet wurde und das Weltreich in Trümmer sank.

Geschichte, Riten und Wesen der Katten

Von allen Germanen beherrschen die Katten die Kunst des Krieges am Besten

In ihrer Disziplin und ihrem Organisationsgeschick vergleicht Tacitus die Katten mit den Römern.
Für Germanen gehen sie mit viel Überlegung und großem Geschick vor. Wie die römischen Legionäre führten sie Marschgepäck mit sich und standen in fester Schlachtordnung.

Sie übertragen das Kommando ausgewählten Leuten, hören auf die Befehle ihrer Heerführer kennen geordnete militärische Verbände, nehmen günstige Gelegenheiten wahr, verschieben auch mal einen Angriff, verschanzen sich bei Nacht, das Glück halten sie für unbeständig und nur die eigene Tapferkeit für beständig.

Was ganz selten vorkommt und sonst nur römischer militärischer Zucht vergönnt ist, sie setzen mehr auf den Heerführer als auf das Heer.

Ihre ganze Stärke liegt im Fußvolk, das sie außer mit Waffen auch mit Schanzzeug aus Eisen und mit Proviant beladen.
Die anderen Stämme kann man in eine Schlacht ziehen sehen, die Chatten dagegen in den Krieg.

Der römische Geschichtsschreiber Tacitus berichtet in seiner Germania, dass die Katten mehr als andere germanische Stämme Bergbewohner seien und aus diesem Grund über festere Körper, sehnigere Glieder und einen regsameren Geist verfügen.

Des Weiteren nennt Tacitus einige Initiationsriten der Katten. Diese würden, sobald sie erwachsen seien, ihr Haupt- und Barthaar wachsen lassen und einer Gottheit weihen. Über dem getöteten Feind und den Beutewaffen schneiden sie sich die Haartracht ab und verkünden, dass sie nun ihres Stammes und ihrer Eltern würdig seien und ihre Geburt bezahlt hätten. Manche Katten kennzeichneten ihre Mitgliedschaft in einem Kriegerbund durch das Tragen eiserner Halsringe und behielten auch die wild wachsende Haartracht ihr gesamtes Leben lang bei. Zudem heirateten sie nicht und ließen sich von anderen Stammesangehörigen versorgen. Der römische Geschichtsschreiber Martial erwähnt, dass Katten und Bataver einen rötlichen Schaum herstellten, der teutonischem Haar Feuerfarbe gebe.

Eingliederung in den fränkischen Stammesverband

Mit der Völkerwanderungszeit und der Herausbildung von Großstämmen auf germanischem Boden geht eine Siedlungsverdünnung in Hessen einher. Die Katten sind in diesem Zeitraum wohl dem Druck ihrer Nachbarn, den Franken im Westen, den Sachsen im Norden, den Thüringern im Osten und den Alemannen im Süden ausgesetzt. Möglicherweise nahmen aktivere Teile der Katten auch an der Entstehung jener germanischen Großstämme teil, worauf ein Bevölkerungsrückgang in kattischem Gebiet zurückzuführen sein könnte. Es kam auch zu Auseinandersetzungen mit Rom. So schildert der spätantike Geschichtsschreiber Sulpicius Alexander (nur erhalten als Auszug in den Historien des Gregor von Tours) einen Feldzug des römischen Magister Militum Arbogast gegen die Franken am Rhein Ende des 4. Jahrhunderts und berichtet in diesem Zusammenhang auch von den Katten und anderen Stämmen.

Gegen Ende des 5. Jahrhunderts gerieten die Katten wohl langsam unter die Oberhoheit der ausgreifenden Franken und wurden unter der Herrschaft Chlodwigs I. endgültig in das fränkische Königreich eingegliedert. Das Gebiet der Katten / Hessen diente den Franken anschließend als Ausgangsbasis für Feldzüge gegen die nördlich siedelnden Sachsen, die immer wieder in Kattisches und Fränkisches Gebiet eindrangen. Die Behauptung einer gewissen Teilautonomie der Katten gegenüber den Franken führte dazu, dass sich ihr Stammesname, in abgewandelter Form, bis heute halten konnte. Aus der Eingliederung in das fränkische Stammeskönigtum resultierte allerdings auch, dass aus dem Siedlungsgebiet der Katten bzw. Hessen im Frühmittelalter kein eigenes Stammesherzogtum hervorging.

Wandlung des Stammesnamen

Zu Beginn ihrer Zeit wurden sie Katten (Lat. Xatan) genannt,

danach kam Chatten, Chatti (ca. 100 n. Chr.), Hatti, Hazzi, Hassi (um 700 n. Chr.) danach Hessi. Bis dann im Jahre 738 n. Chr. der neue Name Hessen zum ersten Mal in der Geschichte auftritt. In einem Sendschreiben Papst Gregors an Bonifatius wurde von mehreren Kleinstämmen auf dem Gebiet der Katten berichtet. Erwähnt wurde neben den Lognai im mittleren und oberen Lahntal, den Wedrecii (möglicherweise im Wetschafttal) und den Nistresi (auf der Korbacher Hochfläche) auch das Volk der Hessen (Populus Hassiorum), welches an der unteren Fulda siedelte.

Der Name Hessen wurde fortan als Sammelname auf alle Kattischen bzw. Klientel – Kattischen Gruppen in Nieder- und Oberhessen übertragen. (Siehe hierzu auch die zweite Lautverschiebung in der deutschen Sprache)

Die etymologische Herleitung des Stammesnamen der Hessen blieb wegen der langen Überlieferunglücke zwischen der letzten Erwähnung der Katten 213 und der ersten Erwähnung der Hessen 738 nie unumstritten. Der Wandel der Stammesbezeichnung wird heute in den Kontext der Ausdehnung des fränkischen  Machtbereichs auf ehemals kattisches Gebiet gestellt. Zudem stellte man Versuche an, durch archäologische Befunde eine Kontinuität zwischen Katten und Hessen zu begründen, die in der Forschung als überzeugend betrachtet werden.

Entscheidend waren dabei die Ausgrabungen in den Wüstungen Geismar, Holzheim und bei Fritzlar in den 1970er Jahren.

Beide Orte waren wahrscheinlich von der jüngeren Eisenzeit bis ins Hochmittelalter durchgehend besiedelt.