Es führen uns noch eine Anzahl alte Gemarkungsnamen auf früher im Amt Landeck bestandene Einrichtungen und Gebräuche bin, sodass es der Mühe wert erscheint, hier einige folgen zu lassen: In mehrere Gemarkungen gibt es Heiligenäcker, Heiligenwiesen und Heiligenraine. Die beiden letzten Bezeichnungen gibt es auch bei Schenklengsfeld. Sie führen sicher auf die vorschriftliche Zeit zurück, wo die Bewohner ihren verschiedenen Göttern auf diesen Plätzen huldigten. Von dem Heiligenrain bei Schenklengsfeld wurde mir von einem in den 60er Jahren stehenden Einwohner ein schönes Märchen erzählt. Letztere hat es nicht etwa irgendwo gelesen, sondern es wurde ihm in seinen Kinderjahren von seiner hoch betagten Großmutter erzählt.

Vor dem Heiligenrain nahe dem Dorf war eine starke Quelle, die so stark war, dass eine Mühle, die unmittelbar unterhalb derselben gebaut war, genügend Wasser zum Mahlen hatte. In dem Heiligenrain, welcher noch Urwald war, wohnte ein Zwergvolk. Eines Tages kam der Müller in den Wald und wollte sich eine Buche abhauen, da erschien ein Zwerg und sagte, er möchte die Buche heute nicht fällen, es würde sonst etwas Unangenehmes geschehen. Der Müller lachte den Zwerg aus, jedoch bald darauf zog ein Gewitter herauf und der Blitz schlug die Buche in der Mitte auseinander. Der Müller war über die Verwünschung des Zwerges erbost und sann auf Rache. Eines Tages weidete eine Zwergin eine Ziege an dem Hopfengarten (Gärten, die heute noch dort sind und in welchen früher die Hopfen für das Brauhaus gezogen wurden) da kam der Müller und verbot dieses Weiden an den Hopfenhecken. Die Zwergin wollte jedoch nicht früher weggehen, bis die Ziege satt war, doch der Müller bestand darauf, dass sie sich sofort entfernen sollte. Er geriet derartig in Wut, dass er ein Messer herauszog und die Ziege in den Wanst stach, sodass sie verendete. Darauf sagte die Zwergin zu ihm: „So! nun hast du meiner Ziege das Blut abgestochen, dafür werde ich dir deine Quelle abstechen.“ Sie holte ein Scherchen aus der Tasche, schnitt der toten Ziege drei Büschels Haare ab, ging zur Quelle und warf dieselben hinein. Im Augenblick wurde die Quelle trocken und die Mühle stand still. Das Zwergvolk, das nun nichts Gutes mehr von dem Müller zu erwarten hatte, beschloss auszuwandern. Die Gesellschaft kam auf ihrer Wanderung an die Fuldabrücke und sollte, bevor sie Wärter, er möge etwas hinstellen, wo sie das Geld hineinwerfen könnten. Der Wärter stellte eine Metze hin und als die Schar die Brücke überschritten hatte, war die Metze gestrichen voll Geld. Von den Zwergen aber sah man nie eine Spur wieder.

Diese Erzählung dürfte sich auf die Mauermühle und die oberhalb derselben auf der Straß sich befindliche starke Quelle, auf welche ich später noch zurückkomme, beziehen. Am entgegengesetzten Ende des Dorfes gibt es eine „ Pfortewiese“; ob diese ihren klangvollen Namen irgendeinem einstens hier gestandenen Tor oder einer Pforte zu verdanken hat, vermag wohl kaum festgestellt werden zu können, dagegen ist die Bezeichnung „Galgenholz“ auf den tatsächlich in der Nähe des Hilmeser Weges noch in den 30er Jahren des vorigen Jahrhunderts gestandenen Galgen zurückzuführen. In dem Archiv in Marburg befindet sich noch ein Aktenstück vom Jahre 1688 über das „Hochgericht“. Unweit des Galgens hat auch eine Windmühle gestanden, die erst in den 1850er Jahren abgebrochen wurde;  das Holz derselben wurde zu einem nch heute am „Katzenrain“ stehenden Häuschen verwendet. Es ist auffallend, dass man in einer Gegend, in der so viele Wassermühlen vorhanden sind, eine Windmühle gebaut hat, gewöhnlich findet man solche nur da, wo Wassermühlen nicht angelegt werden können. Berücksichtigt man allerdings  die starke Bevölkerungsanzahl vor dem 30 jährigen Kriege, die nur auf die durchweg kleinen Mühlen angewiesen war, so ist das Vorhandensein  dieser Windmühle immerhin erklärlich.

Angrenzend an das Galgenholz gibt es eine Feldmark „Amerika“. Es ist anzunehmen, dass einmal ein Grundeigentümer diesen Ausdruck gebraucht hat, weil die Entfernung vom Dorf eine ziemlich große ist. Gegenüber diesem Amerika, in der Lampertsfelder Gemarkung, liegt die „Wacht“, deren Namen wohl aus irgendeinem Kriege stammen dürfte. Die Gemarkungsbezeichnung „Hirtzsprung“ führt auf den Urwald zurück (Hirtz ist der landläufige Ausdruck für „Hirsch“ gewesen). Es würde nun zu weit führen, die vielen anderen Gemarkungsbezeichnungen aufzuzählen, doch möchte ich noch eine ganz „süße“ Bezeichnung, nämlich die „Honiggrube“ (Huhgroh) in der Rödt erwähnen. Ein vor dem Heiligenrain, unweit vom Dorf gelegener Rasenplatz wird „Schöngrase“ (Schinderrasen) genannt. Hier wurde in früheren Jahren das verendete Vieh begraben, jedoch ist auch vor ungefähr 70 Jahren ein Mann dort begraben worden, der wegen schwerem Verbrechen in Untersuchungshaft saß und sich dort entleibte. Die Kirche versagte ihm den Totenhof und so wurde sein Leichnam auf dem sogenannten Schöngerschliere (Schinderschlitten) nach diesem Rasenplatz gebracht, um neben den „Unvernünftigen“ begraben zu werden.

Zwischen dem Schinderrasen und dem Dorf entsprang da, wo jetzt der Felsenkeller sich befindet, der „Totenbrunnen“. Obwohl diese Bezeichnung von dem darüber liegenden Totenhof abgeleitet wurde, kam das Quellwasser keineswegs von diesem her, sondern durch den Sandsteinfelsen, der hier nach geologischer Feststellung 180—200 Meter tief ist und sich jenseits des Solztales ausdehnt. Das Wasser hatte nämlich, wie ältere Leute versichern, denselben weichen Geschmack und dieselben Eigenschaften, wie diejenigen des Röngerbouns, der eine in Stein gefasste, in Dornenhecken versteckt liegende Quelle ist, die unterhalb des Weges, der von der Röng nach Konrode führt, liegt und deren Wasser zum Kochen von Hülsenfrüchten gern benutzt wird. Die Quelle des Totenbrunnens ist versiecht  oder durch die Anlage des Felsenkellers, die durch G. Wormbs im Jahre 1860 erfolgte, eingegangen. Der Felsenkeller war ungefähr 30 Meter tief und diente als Bierkeller, heute wird er kaum noch benutzt, und ist dem Verfall nahe. Ein noch heute vorhandener Brunnen, den ich noch erwähnen möchte, heißt „Molkenborn“, und liegt zwischen dem Buchwald und der Gemarkung Schenklengsfeld; das Wasser desselben sieht weißlich aus und scheint durch die dort lagernden weißen Tonschichtern zu kommen. Die bereits erwähnte Märchenquelle, die nur jährlich im Frühjahr einige Tage läuft, manchmal auch einige Jahre aussetzt, befindet sich oberhalb der Mauermühle im Straßenrain. Das Wasser kommt manchmal so stark, dass es der Straßengraben gar nicht alle fassen kann und die Straße überschwemmt wird, auch auf dieser selbst entstehen eine Anzahl größere und kleinere Nebenquellen. Man nennt derartige Quellen Maibrunnen, die ihren Zulauf dem im Frühjahre schmelzenden Schnee des Gebirges verdanken. Da nun diese Quelle aus mächtigen und weit in die Tiefe reichenden Sandsteinlagern entspringt, so ist anzunehmen, dass das Gebirge, von dem sie ihr Wasser bekommt, in weiter Entfernung liegt und in Anbetracht der Geländeverhältnisse nur das Rhöngebirge sein kann. Mit den sogenannten Hungerquellen, die nur ab und zu einmal aussetzen, kann besagte Quelle nicht verglichen werden, immerhin ist es eine eigenartige Erscheinung, wenn eines schönen Tages mit einem Male  das Wasser mit ungeheurem Druck aus der Erde schließt und in einem Umkreise von ungefähr 5 Meter auf der Straße und in dem Graben noch eine Anzahl kleine Quellen entstehen. In einigen Tagen ist alles wieder trocken, nur die Straße ist aufgewühlt.

Ältere Leute erinnern sich, dass das Erscheinen des Wassers auch schon manchmal vor Weinachten, besonders nach einem sehr regnerischen Herbst, eingetreten ist. In den an Schenklengsfeld angrenzenden Gemarkungen gibt es auch eine größere Anzahl teilweise ganz eigenartig Flurnamen, deren Ursprung wohl kaum zu enträtseln sein dürfte, z. B. gibt es in der Gemarkung Konrode die Namen: Am Ähr, im Siebenäckerfeld, am Kindsstuhl, im Kritzel, auf der Holl, am Wasserberg, auch ein Heiligenacker, letztere Bezeichnung finden wir auch in der Wehrshäuser Gemarkung. Im Bötzerod war früher eine Ansiedelung, ob es nun die von Landau erwähnte Ansiedelung Stege, die unten am Wege der von Thalhusen nach Wehrhußen führte, zwischen denen von Rumerode und Lengisfeld gelegen, gewesen ist, hat sich nicht feststellen lassen, besonders da in der Wiese dort sich eine starke Quelle befindet, was darauf schließen lässt, dass die Siedlung hier bestanden hat. In der Nähe von Fischbach gibt es übrigens noch eine „Bötzenmühle“, vielleicht bestand ein Zusammenhang zwischen dieser und der vorerwähnten Ansiedelung. Die Gemarkung Wehrshausen hat außerdem noch folgende Lagebezeichnungen: die alte Äller, das Frankenrod, die Reichenau, der Pfaffenstrauch. In der Gemarkung Oberlengsfeld finden wir: Ehrenthal, Grabenacker, Weidels, Sauohr, Hänig, Heyenfeld, Biegenfeld, im Melm. Die beiden Brunnen im Ehrenthal heißen: Schartenborn und Buckeborn, außerdem gibt es vor dem Löh´chen noch einen „Eselsborn“. Zwischen Hilmes und Motzfeld gibt es folgende Lagebezeichnungen: das Bülchen, der Saurasen, das Streiloch, im Sir, im Sierig, im Melm, auf dem Schingeberg, das Eubental, der Gildackerborn, der Ehrlichsborn; der kleine Wasserlauf in dem Wiesental von Hilmes nach Lampertfeld heißt; Dreschebach. Die Quelle desselben unter dem Landeckerberg heißt: Thalborn. In der Gemarkung Unterweisenborn das Mariental hat wohl seinen Namen von dem Verbindungsweg vom Amt Landeck nach dem Fuldaischen, außerdem gibt es dort eine Hitzwiese, womit wohl gesagt sein soll, dass aus dieser die Hirsche aus dem damals noch nahen Wald heraustraten, um zu äsen und zum Wasser zu gelangen. Die Bezeichnung Bornecke ist vom Brunnen abgeleitet. Der Bach unterhalb Unterweisenborn ist in der geologischen Karte als Winsenbörnerwasser bezeichnet.