Die Herren des Fleckens
Aus dem kleinen Kloster, das der hl. Lullus einst auf dem Herolfesfeld begründet, war im Laufe der Zeit eine mächtige und reiche Abtei geworden, nach Fulda die glänzendste im Reiche, deren Besitz schon im 11. Jahrhundert sich über einen großen Teil des Hessenlandes bis weit nach Thüringen hinein
erstreckte; denn Arm und Reich, der Adel des Landes und nicht zuletzt die Könige überhäufen in der Sorge um ihr Seelenheil das Kloster mit reichen
Gaben, um zu ihren Lebzeiten das Gebet der Mönche und in ihrer Todesstunde der Fürbitte des hl. Wigbert teilhaftig zu werden, während andere mehr von weltlichen Beweggründen geleitet, sich und ihre ganze Habe dem Stifte unterwarfen und so den mächtigen Schutz der Kirche und alle Vorteile
erlangen, die in jenen Zeiten eine geordnete und wohlwollende Herrschaft ihren Untertanen darbot. Unter diesen Umständen ist es leicht erklärlich,
wenn wir schon frühzeitig fast die gesamte Umgebung und damit auch die Hochfläche auf dem rechten Fuldauser unter der Botmäßigkeit des Stiftes
erblicken, welche das heutige Amt Landeck in sich schließt, obwohl wir nicht sagen können, in welcher Weise die Besitznahme dieses Bezirkes im einzelnen vor sich gegangen ist. Es genügt zu wissen, dass bereits unter Kaiser Otto II. (973—983) ein Forst, allein Anschein nach ein großer Teil des Amtes Landeck, und ein zweiter Wald in demselben Amt zu Zeiten des Abtes Arnold (1012- –1031) vom Stift erworben ist und dass Kaiser Heinrich IV. zeigte sich das Stift einige Jahre später dankbar, als der Kaiser aus und gehetzt von seinen Feinden, an die Klosterpforte klopfte und bei den Mönchen Schutz und Hilfe fand. Während das Stift in den ersten Jahren seine Güter selbst verwaltet hatte, sah es sich später genötigt, viele seiner Besitzungen dem Adel zu Lehen zu geben, der damit die Verpflichtung übernahm, mit seinen Reisigen für die Abtei ins Feld zu ziehen. So geschah es auch mit dem Amt Landeck, denn vom 11. Jahrhundert an steht dasselbe nicht mehr unmittelbar unter dem Abt, sondern im Laufe der Zeit unter verschiedenen Adeligen; sehen wir uns nun nach den Männern um, die unter der Oberlehnshoheit den zuerst auf die Heeren von Lengsfeld, ohne dass wir jedoch etwas weiteres erfahren, wie ihre Namen und selbst deren Zahl ist nur klein. Ihren Reigen eröffnet im Jahre 1137 Johann von Lengsfeld, wie ihr Name geschrieben ist, es folgt sodann 1142 Eckenbrecht, während Heinrich und Volprecht im Jahre 1167 den Schluss bilden, in welchem Verwandtschaftsverhältnis diese Personen zu einander stehen, erfahren wir leider nicht. Die auffallende Übereinstimmung ihres Familiennamens mit dem des Fleckens Schenklengsfeld legt uns dabei die Frage nahe, in welchen Beziehungen beide zu einander stehen, oder mit anderen Worten, ob die im Amte altansässige und wohlbegüterte Ritterfamilie dem Orte seinen Namen gegeben oder sie umgekehrt sich nach ihm genannt hat. Da aber die Sitte, sich nach einem Orte oder einer Burg zu nennen, erst verhältnismäßig späteren Ursprungs (11. Jahrhunderts) und der Ort, wie erzählt wurde, lange vor dieser Zeit entstanden ist, sind wir wohl zu dem Schluss berechtigt, dass die Familie den Namen des Ortes angenommen hat, in dessen Nachbarschaft ihre Hauptbesitzungen lagen.

Das Geschlecht von Lengsfeld ist bereits Mitte des 14. Jahrhunderts ausgestorben, deshalb ist es nicht weiter wunderbar, wenn wir nur wenig von dieser Familie wissen; in der Tat scheint außer den später unter „ Schlossruine Landeck“ angeführten Urkunden nirgends etwas über ihre Geschichte überliefert zu sein; selbst ihr Wappen ist unbekannt. Reichlicher fließen die Quellen, wenn wir uns ihren Nachfolgern, den Herren von Buchenau, zuwenden, zuvor mögen jedoch einige Urkunden des Marburger Archivs hier Platz finden, die darauf schließen lassen, dass Teile des Amtes Landeck vor den Buchenaus in den Händen anderer Rittergeschlechter gewesen sind, bzw. Dass fremde Bischöfe auch später noch Rechte daran hatten; sie lauten im Auszug: „Anno 1349 an dem Sonntage vor unser Frowin Tage, als man die Lich wihrt (1. Februar) Abt Johann von Hersfeld und Convent des Stiftes Hersfeld bekennen, dass sie zum Nutzen ihres Stiftes, an Friedrich den Ritter und thielen von Volkirshufen, mit Einwilligung des Grafen Johan von Ziegenhain, die Vogtei in dem Gerichte Landeck, so wie sie der besagte Graf und seine Eltern gehabt und besessen, an Holtze, Felte, Wasser und Weide mit Butzen, Wettin, Ehren, Nutzen und mit allen Rechten gegen das Dorf Erkenbolderode an Wasser und Weide ausgetauscht haben. Anno 1434. 5. September. Bekennt Erzbischof von Mainz, dass er vom Abte Albrecht des Stiftes Hersfeld, die ihm jährlich von Amt Landeck zu zahlen schuldigen 40 rheinische Gulden, auch in diesem Jahr empfangen habe.“

Geschichte der v. Buchenau

Geschichte der v. Buchenau

Ohne Zweifel gehörten die von Buchenau in jener Zeit zu den mächtigsten Rittergeschlechtern, wenn nicht in ganz Deutschland, so doch in Buchonien, wo sie infolge ihres Reichtums und gestützt auf den Besitz unzähliger Fuldischer und Hersfelder Lehen die meisten anderen Geschlechter an Macht und Einfluss weit überragen, obwohl auch ihnen das Glück nicht immer hold gewesen ist. Jedenfalls war ihre Familie zugleich eine der ältesten im Buchenlande, da einerseits Angehörige des Geschlechtes – wie man als erwiesen annimmt – bereits in Urkunden des 10. Jahrhunderts auftreten und andererseits ihr Name so eng mit dem des Landes zusammenhängt. Wenn unter diesen Umständen die Geschichte der v. Buchenau auch auf die Geschicke des Landes großen Einfluss gehabt hat und deshalb manches Anziehende darbieten würde, so kann an dieser Stelle doch nur das wenige angeführt werden, was Licht über die Geschichte des Amtes Landeck zu verbreiten geeignet ist.

Schon im 12. Jahrhundert wurde ihnen die Holzförsterei, d.h. die Aussicht und Bewachung der Wälder der gesamten Abtei Hersfeld von Abt Johannes
übertragen und damit scheinen sie den Grundstock zu ihrem späteren Reichtum gelegt zu haben, denn als Inhaber dieses Amtes erhielten sie ein
Drittel aller gefällten Bäume. Als Erben der Herren v. Lengsfeld treten sie zuerst im Jahre 1367 auf, zu welcher Zeit Simon v. B. die Hälfte des Schlosses und des Amtes Landeck besaß, auch Sittich v. B. hatte damals eine gewissen Anteil und nannte sich 1371 Amtmann von Landeck.

Die Dörfer Ausbach, Herfa, Wundorf und Wiesenborn wurden den Herren v. B. im Jahre 1401 von der Abtei Hersfeld abgenommen, müssen ihnen aber wohl später wieder überlassen worden sein, denn im Anfang des 17. Jahrhunderts finden sie sich wieder unter ihren Hersfeld´schen Lehen. Dass von Zeit zu Zeit Angehörige dieser Familie auch in Geldverlegenheit kamen, ergibt sich aus vielen Urkunden: im Jahre 1439 sah sich Röhrig v. B. genötigt, sein Haus und Hofraithe in Lengsfeld an den Abt Konrad zu Hersfeld auf zehn Jahre für dreißig Pfund Heller zu verpfänden, und ebenso verkaufte Engelhard v. B. am 5. April 1494 an den Landgrafen Wilhelm III. zu Hessen= Marburg 43 Städte, Dörfer, Höfe und Mühlen für 2000 Goldgulden. Unter diesen Ortschaften befanden sich die meisten Dörfer des Amtes Landeck sowie das Schloss Landeck selbst.

Als Engelhard die Äbte von Fulda und Hersfeld bat, die an Hessen verkauften Ortschaften nunmehr dem Landgrafen zu Lehen zu geben, weigerte sich der Abt von Hersfeld, während der Fuldaer damit einverstanden war, und ersterer erwirkte, trotz der Drohung des Landgrafen, bei dem Deutschen Kaiser Maximilian die Richtigkeitserklärung dieses Verlaufs. Im folgenden Jahre entbot der Kaiser beide Parteien, den Landgrafen und den Abt, zu sich, um den ersteren zu Verzicht auf den Verlauf zu bewegen, doch vergingen noch Jahre bitteren Haders zwischen dem Abt und dem Landgrafen, bis der Verlauf wirklich rückgängig gemacht worden ist.

Da längere Zeit hindurch nähere Nachrichten über das Geschlecht der v. B, fehlen und im Anfang des 16. Jahrhunderts das Amt Landeck im Besitze
der Abtei Hersfeld war, so liegt die Annahme nahe, dass die Herren v. B. inzwischen von einem Teil der Hersfeld´schen Lehen ausgeschlossen worden
waren, trotzdem muss ihr Reichtum selbst in jener Zeit noch recht bedeutend gewesen sein, denn zu Anfang des 17. Jahrhunderts besaßen sie noch eine
große Reihe Städte, Dörfer, Höfe und Mühlen, darunter auch Unterweisenborn und Wehrshausen, sowie ungeheure Waldflächen und sonstige Güter.

Wie beträchtlich auch der Reichtum war, so standen ihm andauernd große Ausgaben gegenüber, denn abgesehen von den riesigen Summen, die der
Luxus des Ritterlebens und die vielen Fehden und Kriegszüge jahraus jahrein verschlagen, bedachten auch die Herren v. B. eine der geistlichen Anstalten des Landes, das Kloster Creuzberg ( Philippsthal ) jahrhundertlang mit reichen Schenkungen, damit dessen fromme Jungfrauen dafür den Segen des Himmels auf die v. B. herabflehten und in seinen stillen Mauern die unvermählt gebliebenen Töchter und die Witwen ihres Geschlechtes eine standesgemäße Unterkunft finden konnten.