Der Landecker Berg

Die Gebirgslage und Bodenverhältnisse

 

Nach diesem Berg hat das Amt Landeck seinen Namen erhalten. Seine äußerste Höhe ist 510 Meter über dem Meeresspiegel, die Länge ungefähr vier Kilometer, die durchschnittliche Breite ungefähr 1,8 Kilometer.

Der Berg gehört zu den Ausläufern des Rhöngebirges, ist aber vollständig abgesondert und ein ausgesprochenes Kalksteingebirge. Der Kreuzberg bildet einen Teil des Landecker Berges.

Geologisch ist folgendes festgestellt:

Der Rücken des Berges enthält durchweg oberen Wellenkalk (Saumkalk), während sich in dem oberen Teil des Abhanges durch den Kalk Terebratulabänke ziehen, d.h. Steinbänke von etwa ein Meter Mächtigkeit, so genannter rostbrauner Kalkstein, welche sich zu Bausteinen sehr gut verwenden lassen. Diese Bänke sind stets durch eine Schicht von ungefähr fünf Meter Wellenkalk voneinander getrennt. Die unteren Abhänge und der Fuß des Berges bestehen aus unterem Wellenkalk und Muschelkalk, durch welche sich so genannte Dolitbänke ziehen. Die letzteren geben einen feinen kaffeebraunen aber flachgründigen Lehm ab, welcher am Fuße des Berges sich zu einer leidlichen Feldkultur eignet. Auf dem Wellenkalk gedeihen Buchen am besten, wir treffen deshalb auch auf dem Landecker Berg andere Arten von Bäumen nicht viel an. An einer einzigen Stelle auf der Höhe des Berges tritt ein Eruptivgestein, so genannter Tephrit, eine Art Basalt, zutage und zwar am äußeren Burgwall der Ruine. Dieser kleine Tephritgang zieht sich nach Süden fort und tritt im Löhchen wieder zutage. Hier, wie auf dem Berg, ist das Gestein sehr feinkörnig und enthält neben etwas Sanidin, Plagioklas, Augit, Nephelin und Magneteisen. Auf der Westseite des Löhchens, also nach Oberlengsfeld zu, ist dieses Gestein zu einem hellgrauen, mürben, mattglänzenden Schiefer verwittert, welcher in Wasserrinnen eingeschlossen ist. Das im Trümbachköpfchen vorkommende Gestein ist Basanit, welcher mit vielen eingesprengten Hornblendkristallen sich zeigt, ebenso Einschlüsse von Quarz in sich birgt. Ein ähnlicher Ausbruch besteht bei Wehrshausen im Paffenstrauch. Dieser Stein ist aber schon ganz zerfetzt oder zu Basalterde geworden. Das übrige Gestein, soweit das Amt Landeck reicht, ist eine Ebene von Buntsandstein, durchschnitten von den verschiedenen Bachtälern, Schluchten und Gräben. Am besten ist das Vorkommen von Schenklengsfeld ab, nördlich an dem Talhang entlang, also unterhalb Hilmes, Motzfeld, Hof, Weisenborn. Ferner bei den Dörfern Hillartshausen, Lautenhausen, Friedewald, Ausbach und Ransbach. In diesen Landstrichen ist ein wertvolles Baumaterial enthalten. Die ziemlich starken Sandsteinlager sind durch die Auslaugung des Eisengehalts vielfach weiß geworden und enthalten vorwiegend zahlreiche kleinere, aber auch größere Quarzkörner. Bei Hillartshausen treten auch Dolomitplatten zutage. Am besten ist das Sandsteinvorkommen bei Hof Weisenborn. Aus dem dortigen Steinbruch sind 16 Steinpfeiler zum Bau der Hauptkirche in Hersfeld geliefert worden, von denen jede Säule 18 Schuh hoch und über 2 Klafter dick gewesen ist. Die Kirche ist schon im Jahre 1270 bis 1280 erbaut worden. Außerdem sind aus den Steinen dieses Bruches ungeheure Kümpfe ausgehauen worden. Eine große Säule hat noch viele Jahre dort zum Zeichen gelegen. Der Bruch ist jetzt noch in Betrieb. Dass auch die Steinbrüche, besonders unmittelbar um Schenklengsfeld herum, einen guten und brauchbaren Stein geliefert haben, können wir an der Brücke sehen, die man in der Röng, in der Richtung nach dem Totenhof überschreitet. Dieselbe ist im Jahre 1836 von Heusner, welcher auch Inhaber der Steinbrüche war, gebaut worden. Ein so genannter Bordstein auf dieser Brücke ist vier Meter lang, 0,40 Meter hoch und 0,40 Meter breit.

Die übrigen Sandsteinlager der Ebene, besonders westlich von Schenklengsfeld, bestehen aus Buntsandsteinen und sind nicht berühmt, bis auf einige geringe Vorkommen. Die meisten sind mürbe, feine, glimmerhaltige, oft schieferartige Sandsteine von wechselnder Mächtigkeit, welche indessen wohl nie mehr al 2 bis 3 Meter beträgt. Das oberste Glied des mittleren Buntsandsteines ist eine höchstens ein Meter mächtige Bank weißen, feinkörnigen, meist ziemlich mürben Sandsteines. Infolge dieser sich durch das ganze Amt Landeck erstreckenden Sandsteinlager hat dasselbe durchweg gutes Brunnenwasser. Die Brunnen mussten vielfach im Felsen gesprengt werden, um Wasser zu erreichen, jedoch hat dasselbe nicht unbedeutenden Kalkgehalt, so dass es zum Speisen von Maschinen nicht zu verwenden ist. Dagegen ist das Felsenwasser westlich von Schenklengsfeld weich und kalkfrei, wie z.B. der Ringerbrunnen. Dieser wurde von jeher benutzt, wenn die Hausfrauen Hülsenfrüchte kochen wollten. Auch der so genannte Totenbrunnen förderte dasselbe Wasser zutage.

Der mittlere Buntsandstein hat eine Mächtigkeit von 180 bis 200 Meter. Auf den erwähnten lockeren Schichten der oberen Sandsteinbänke liegt ein ziemlich fruchtbarer tiefgründiger Ackerboden, welcher zwar sehr oft sandig, mitunter aber durch beigemengte Schiefertonlagen lehmig ist. In letzterem Falle ist auch ein gewisser Kalkgehalt vorhanden, so dass der Boden kleefähig ist.

Die oberen Schichten des Chiroteriumsandsteines sind teils zu einem sandigen Lehm verwittert, welchen man Melm bezeichnet. Derselbe wird besonders fruchtbar, wenn sich noch Abhangschutt von Röth und Muschelkalk hinzugesellt. Jedoch ist der Röth eine schwer zu bestellende Ackererde. Diese ist bei Trockenheit sehr hart, bei großer Nässe dagegen schmierig und zäh, gibt auf alle Fälle große Schollen. Sie erfordert ferner, um das Keimen und Aufgehen der Saaten zu ermöglichen, viel mehr Regen als andere Bodenarten der Gegend. Das Röthland erstreckt sich von Schenklengsfeld südöstlich bis nach Wehrshausen und südlich bis nach Unterweisenborn. Der unmittelbar südlich und südwestlich von Schenklengsfeld vorkommende löß- und geschiebefreie Lehm erstreckt sich über den ganzen Kälbersgrund bis weit über die Feldmühle hinaus, jedoch nur westlich des Wiesenbaches.  In der Gemarkung Unterweisenborn sind westlich des Wiesengrundes verschiedene Parzellen mit Schotter einheimischer Gesteine, das übrige Ackerland besteht aus einer Art Röthland (bunte, meist rote Schiefertone mit einzelnen Tonstein-, Sandstein- und Quarzitlagen).

Die schon erwähnten Chiroteriumsandsteinlagen finden wir im Heienfeld, Weidfeld, hinter den Gärten am Konröder Weg und zwischen Hilmes und Motzfeld. Auf beiden Seiten des Solztales und weiter westlich – nach Wüstfeld zu – finden wir nur grobkörnigen Sandsteinboden.

Die Pseudomorphosen nach Steinsalz finden sich sehr verbreitet in den mittleren Teilen des Röths, so z.B. an den Fußwegen von Ransbach nach Ausbach, nahe der Wasserscheide zwischen den beiden Dörfern, am Abhang des Schwärzelsberges. Gips liegt auch am Nordabhang desselben.

Nachdem ich nun die Bodenverhältnisse des Berges und Amtes Landeck genügend geschildert zu haben glaube, bitte ich die verehrten Leser, Mit zum Landecker Berg zurückzukehren. Ich hoffe, dass dieses nicht so schwer sein wird, als wenn man denselben zu Fuß besteigen muss. Der Berg hat manche Lagebezeichnungen, die zum Teil unbekannt sein dürften, ich führe sie deshalb nachstehend an: Die Schlosswand (über dem Ehrenthal), die Zieglerswand (über Hilmes und weiter nördlich), der Buchkopf, der Eubenbornkopf, der Escherskopf, der Schneidersgraben (zwischen Hilmes und Hillartshausen), die Nordspitze des Berges heißt: Ausbacherkuppe. An der Ostseite, zwischen Ausbach und Ransbach, befinden sich: die Kroatenlöcher, der Röhringsgaul, der Hilmeser Graben und der Dachtelsgraben. Nördlich der Schlosskuppe: der Krautgarten, an welchen sich der Kreuzberg anschließt. Ferner sind noch bekannt: Der Hain, Zieglerslid, Hilmeser Tal, kleiner Buchberg, Ilbentalskopf, Ibenkopf, Ibenborn, Graben, Gänsekopf bei Hillartshausen, abgesteinte Wand, Gänseberg, Gänserücken, Schaardt, Trönterkopf, Kalkgraben, Eichhölchen, Hoher Vorn, an der Buhlenhöhe.