Das Amt Landeck unter Hessen.

Als die Entschädigung für die geleistete Hilfe und für die entstandenen Kriegskosten erhielt Philipp von dem Abte Crato in Hersfeld, Ende des Jahres 1525, das Amt Landeck, Stadt und Amt Hersfeld sowie das Amt Breitenbach als Pfand überlassen.

Mit diesen Zeitpunkten traten im Amt Landeck geregelte Verhältnisse ein, das Amt folgte von jetzt ab Hessen in der Gesetzgebung, wie Eherecht, Erbrecht, Eigentumsrecht usw., dem auch der Adel sich fügen musste, auch wurde durch den Beschluss der Homberger Synode im Jahre 1526 die Reformation eingeführt. Im Jahre 1550 kam ein Vergleich zustande, wonach die endgültige Abtretung des Amtes Landeck zur Hälfte erfolgen sollte, und endlich, am 26. Juli 1557, wurde unter Zurückgabe der übrigen in Pfand gegebenen Landesteile, die Hälfte von Schloss und Amt Landeck und die Hälfte der Stadt Hersfeld dem Landgraf Philipp dem Großmütigen vom Abte Michel in Hersfeld als Hersfeldisches Mann=Lehen überlassen und somit von dem Stifte Hersfeld, dem es fast 800 Jahre angehört hatte, für immer getrennt. Die Abtretung der betreffenden Landesteile war der vorhandenen Urkunde nach so zu verstehen, dass zum Teil eine gemeinschaftliche Regierung eintrat.

Unter der Regierung Philipps des Großmütigen waren die Bewohner des Amtes Landeck, trotz der hohen Abgaben, zu einem gewissen Wohlstand gelangt. Die bisherige urväterliche Regierung wurde in eine staatliche umgewandelt, es wurden Beamten eingesetzt und feste Abgaben, wie Lehn=, Holz= und Hutegelder pp. , durch einen Rentmeister erhoben.

Als Münzsorten waren im Umlauf: Goldgulden zu 20 Batzen, Ducaten zu 50 Albus und viel ausländische Geldmünzen. Ferner: Reichsgulden zu 28 Albus, Reichsthaler zu 32 Albus, Philippsthaler zu 36 Albus usw. Landmünzen von geringerem Silber: Ganze Reiter, Schreckenberger, Schnapphahnen, Spitzgroschen, Batzen, Papalen, Doppelschillinge, Fürstengroschen, Dreikreuzer, Hessische Albus. Der letztere wurde auch Weißpfennig (Wißpaenk) genannt und in 12 Heller geteilt. In Kurhessen wurde diese Münze bis 1833 geprägt und war bis 1842 im Umlauf, doch sah man in späteren Jahren auch noch viel Stücke davon im Verkehr.

Für einen Wagen Holz, Frei Haus, 45 Kreuzer. Der Generalsteuereinnehmer des Fürstentum Fulda erhielt eine jährliche Besoldung von 50 Gulden! Man kann sich nun denken, was da die kleineren Beamten erhalten haben mögen. Für den Wald wurden Förster bestellt, die Solz wurde durch Fischmeister bewacht, Vergehen von Seiten der Bewohner, wie Holzdiebstähle, Wildern usw. wurde von Philipp, wie verschiedene Fälle zeigen, äußerst hart bestraft. Nach dem Tode Phillips (1568) wurde das halbe Amt Landeck und andere Besitzungen auf seine Söhne übertragen unter den Bedingungen des Vertrages von 1557. Am 13. November 1570 führte der Kaiserliche Notar Georgius Rüdiger eine Verhandlung über das auf Befehl des Landgrafen Wilhelm durch Johann von Meckbach, Amtmann zu Landeck, angestellte Verhör über die Grenzen des Amtes Landeck und den früher darüber von G. von Colmetsch aufgerichteten Vertrag vom Juni 1564 zwischen dem Amt und denen von Buchenau, der Gerichtsgewalt festlegte und den Vertrag von 1539 ergänzte. Dieser Herr v. Meckbach scheint sehr bestrebt gewesen zu sein, geordnete Verhältnisse in dem Amt zu schaffen, denn 1573 beklagten sich auch die Herren von Rommerode über ihn, da er in seiner Eigenschaft als Hersfeldischer Visitator ihnen verschiedene Lehen streitig machte. Anerkannt wurde allerdings, dass die Herren von Rommerode folgende Ansprüche machen konnten: Die Gerichtsbarkeit zu Wüstfeld am Kattenroder Wald, das Korbergut, ein Gut zu Weisenborn und den Erbzins aus der Mühle zu Schenklengsfeld in dem Amt Landeck, sodann eine Wiese bei Motzfeld und einige Zinsen der Stadt Hersfeld zu Lehen.

Die Grenzstreitigkeiten zwischen den verschiedenen Ritterschaften und der Abtei waren nichts seltenes und haben oft zu heftigen Auseinandersetzungen und wichtigen Staatsverhandlungen geführt. So befindet sich noch ein Aktenstück im Archiv zu Marburg über umfangreiche Grenzstreitigkeiten zwischen den Herren v. Trümbach und den Herren von Buchenau im Jahre 1527, auch über andere Fälle von derartigen Streitigkeiten ist in den Berichten unserer alten Geschichtsforscher zu lesen. Eine für das Amt Landeck sehr bemerkenswerte Grenzfeststellung sei hiermit wiedergegeben.

Über eine Beschwerde der Zinsleute von Rommerode im Jahre 1611 wegen Veränderung der Maße, befindet sich noch ein Schriftstück im Archiv zu Marburg, aus welchem hervorgeht, dass es sich u einen Streit bezüglich des im Amt Landeck giltigen Homberger Maßes und dem fürstlichen Regierungsmaße handelt. Die Herren von Rommerode wollten scheinbar das Casseler Maß eingeführt haben, dagegen wollten die Zinsbauern das alte Maß beibehalten, es wurde ein Termin anberaumt, bis zu welchem die Sache geklärt sein sollte; der Ausgang der Sache ist jedoch nicht zu ermitteln gewesen.

Aus dem hier angeführten Fällen ersehen wir, dass sie willkürliche Herrschaft der Ritter vorbei war und einer einheitlichen Staatsregierung, welche jetzt alle Lehns= und Grenzstreitigkeiten entschied, Platz gemacht hatte.

Wenn nun auch die Hessische Landgrafen durchweg eine strenge Regierung führten, so fühlte sich das Volk doch recht wohl dabei, weil es gerecht behandelt wurde, alles atmete auf und unter dem geordneten Staatswesen hatte sich das Amt Landeck recht gut entwickelt, bis der unglückselige 30 jährige Krieg (1618 – 1648) kam und wieder alles verwüstete. Ganz Deutschland war durch ihn zerrüttet, die Ackerfelder lagen verödet , da zu deren Bebauung die Menschen fehlten; Kunst und Wissenschaft waren geschwunden, die Sitten verwildert, die Religion, derentwegen der ganze Jammer entstand, war vergessen und unterdrückt, eine Armut eingerissen, wie nie zuvor. Die Kriegsabgaben nahmen den letzten Rest hinweg, kurz, alles was zu Volkwohlfahrt geschaffen worden war, lag in Trümmern. Die Bevölkerung war auf ein Viertel gesunken, 300 Dörfer, 47 Schlösser und Edelhöfe, 17 Städte gingen in Hessen allein in Flammen auf. In Mitteldeutschland sind 1976 Schlösser, 1629 Städte und 18322 Dörfer verbrannt und verwüstet worden. Von den 16 Millionen Einwohnern Deutschlands wurden 12 Millionen erschlagen oder starben an Hunger. Viele Menschen nährten sich tagelang von den Leichen, die schon in der Erde gelegen hatten und dann erteilte auch sie das Schicksal.